Bonn mit anderen Augen: Städtebau statt Tourismus-Tour

Wir schreiben den 26. Mai 2019, Temperaturen über 35 Grad im Schatten und eine Stadt namens Bonn: Der Erdkunde Leistungskurs der Q1 mit Frau Schnee wagte es dennoch, eine fußläufige Tour durch die ehemalige Bundeshauptstadt zu begehen, welche einen etwas anderen Fokus als die gewöhnlichen Stadttouren setzt: Klassische „Touristentouren“ setzen ihren Schwerpunkt auf die Sehenswürdigkeiten, wir beschäftigen uns mit dem Städtebau!

Nach einer verspäteten Ankunft in Bonn begann die Tour in der Poppelsdorfer Allee in der Nähe des Bonner Hauptbahnhofs. Zusammen mit Herrn Kreutz, welcher einen Bachelor der Geografie der Universität zu Bonn besitzt, erklärte Frau Schnee uns die Geschichte der Stadt Bonn – nach der Gründung, 13 bis 9 v. Chr., wurde die dem römischen Ursprung zugehörende Stadt schnell zu einem ersten befestigten römischen Lager am Rhein. Zeitweise gehörte die Bundesstadt, in welcher bis heute noch einige Bundesministerien ihre Sitze haben, auch zu Frankreich. Bis zu der Übernahme der Stadt durch die Preußen war die Stadt zeitweise Hauptstadt des Kurfürstentums Köln/Bonn. Aus dieser Zeit stammen auch die drei Schlösser, die aus der Luftperspektive gesehen eine „L“-Form bilden. In Bonn steht neben dem Poppelsdorfer Schloss auch das Stadtschloss. Ergänzt wird die „L“-Form durch das Brühler Schloss, welches sich aber – wie der Name vermuten lässt – in Brühl befindet.

Besonders auffällig in Bonn ist die Viertelbildung, die durch die unterschiedlichen Teilungen, z.B. durch Rhein, Bahn-Trasse oder Fernstraßen, gefördert wurde. Bonn hat sich – trotz einiger Kriege – kaum verändert, die Grundstrukturen wurden weitestgehend beibehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bonn während der Teilung Deutschlands zur Bundeshauptstadt – diesen Status verlor die Stadt 1990 jedoch wieder. Zur Kompensation wurden Sitze der Vereinten Nationen, großer Firmen wie der Deutschen Telekom oder der Deutschen Post sowie einiger großer Forschungsinstitute in Bonn angesiedelt. Viele dieser Gebäude, insbesondere die der Universität, befinden sich in der Nähe des Poppelsdorfer Schlosses und der Poppelsdorfer Allee.

Weiter ging’s in die Südstadt, die sich auf dem Bild rechts der Allee befindet. In der Südstadt haben wir gesehen, wie früher Häuser gebaut wurden: Neben der Bauart haben wir uns auch mit den Kriterien zum Bauen und den Wohngewohnheiten beschäftigt: Häuser wurden in der Regel drei-stöckig gebaut, so positioniert, dass Sonne in das Haus scheint und der Dienstbote wohnte oben – im Winter war’s kalt und im Sommer brechend heiß.

Am Ende der Poppelsdorfer Allee befindet sich das Poppelsdorfer Schloss, welches heute überwiegend von den naturwissenschaftlichen Fakultäten der Uni Bonn genutzt wird. Zurzeit finden Bauarbeiten am Schloss statt – was leider das Bild etwas kaputt macht.

Viele Häuser Bonns sehen alt aus, sind es aber nicht: Man hat viele Elemente aus der Romantik oder Gotik in neuen Zeiten übernommen, damit die Häuser älter wirken. Im Münster, einer großen Klosterkirche, lässt sich dies auch durch eine vermischte Form dieser Baustile finden.

 

Bevor wir zum Münster kamen, ging es jedoch noch durch die Innenstadt in die sog. „Altstadt“, die im klassischen Sinne keine Altstadt, sondern ein künstlicher Stadtteil ist, der so inszeniert wurde.

In dem Viertel sind heute viele Wohnungen und interessente Geschäfte vorzufinden, die sich auf kleine Marktnischen konzentrieren. Schon einmal darüber nachgedacht, wo man seltene asiatische Puppen erwerben kann? Nein? In Bonn! Nach dem Trip durch die Altstadt machten wir einen kurzen Abstecher zu dem Geburtshaus eines der wohl berühmtesten Köpfe Bonns. Wer das wohl ist?

Richtig, Ludwig van Beethoven. Fun fact: Die Stadt Bonn, auch Beethoven-Stadt genannt, ist sehr stolz auf ihren Musiker – seine Silhouette sieht man zum Beispiel auch auf den Ampellampen während der Grünphasen für PKW-Fahrer.

Statuen von ihm gibt es daher auch genug:

Durch die Sternenstraße, einer historischen  Einkaufsstraße, ging es später  über eine kurze Abkühlung am Drei-Grazien Brunnen zum Münster, an welchem die Exkursion dann am frühen Nachmittag endete.